
Gerade im stressigen Berufsalltag mit Heißhungerattacken und Termindruck achten viele Menschen nicht mehr auf ihre Ernährung. Es wird zu denjenigen Lebensmitteln und Speisen gegriffen, die nur wenig „Inhalt“ liefern. Dabei benötigt der Körper besonders in diesen Situationen ausreichend Vitamine und Spurenelemente, um Leistung zu erbringen. Viele Menschen glauben, dass mit einer Vitamin-Pille der Mangel ausgeglichen werden kann.
Nahrungsmittelzusätze
Unsere Lebensmittel werden manchmal mit Nährstoffen angereichert. Ein Beispiel dafür sind Cornflakes. Unzählige Kinder, aber auch viele Erwachsene in Europa und den USA frühstücken täglich die knackigen Flakes aus geröstetem Maismehl in der Annahme, ihrer Gesundheit etwas Gutes zu tun. Die Werbung auf der Verpackung verspricht schließlich: „mit vielen Vitaminen, Folsäure und Eisen“. Laut des Herstellers werde damit ein Großteil des notwendigen Tagesbedarfs dieser Substanzen gedeckt.
Das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) in Deutschland unterstützt eine Ausnahmegenehmigung für den Verkauf von verschiedenen Frühstückscerealien unter Zusatz von Eisen als angereicherte Lebensmittel. Solche mit speziellen Nährstoffen angereicherten Lebensmittel sind so genannte „funktionelle Lebensmittel.
Ein Hersteller beantragte die Zulassung von Cornflakes mit 8 mg Eisen pro 100 g Flakes. Die Verwertung von Eisen aus Getreideprodukten beträgt durch das Phytat maximal 5%. Bei einer Anreicherung mit Eisen kann der Körper dagegen nur 1,7% nutzen. Dadurch ergibt sich beim Verzehr einer Portion von 30 g eine zusätzliche Eisenaufnahme von ca. 40 µg. Da der tägliche Bedarf an Eisen für Kinder 0,8 mg und für Jugendliche und Erwachsene 1–2,2 mg pro Tag beträgt, spricht aus ernährungsmedizinischer Sicht in diesem Fall nichts gegen eine Eisen-Anreicherung mit der angegebenen Menge. Man geht nicht davon aus, dass die zusätzliche Eisenaufnahme in diesem Fall gesundheitliche Schäden hervorrufen kann.
In Deutschland befinden sich bereits mehrere vergleichbare Produkte auf dem Markt, die zum Teil höhere Mengen an zusätzlichem Eisen enthalten. Die Zulassung eines dieser Produkte, das eine Anreicherung von 14 mg Eisen pro 100g aufweist, wurde nun sogar für drei Jahre verlängert. Eine zusätzliche Kalziumanreicherung der Cornflakes-Produkte ist jedoch laut BgVV problematisch. Zum einen wird eine Kalzium-Überversorgung befürchtet, zum anderen reduziert das Kalzium die Verfügbarkeit von Eisen.1)
In Norwegen ist man vom Nutzen der funktionellen Lebensmittel nicht so überzeugt. Das Gesundheitsministerium in Oslo hat auf Anweisung der staatlichen Lebensmittelbehörde den Verkauf der Cornflakes eines amerikanischen Unternehmens untersagt. Als Begründung wird angegeben, dass alle Altersschichten ausreichend mit Vitaminen und Mineralstoffen versorgt seien. Eine künstliche Anreicherung der Lebensmittel sei somit überflüssig und könne sogar bei übermäßigem Verzehr der Gesundheit schaden. Einige Experten befürchten, dass die Erlaubnis der Nahrungsanreicherung zu einer Verkaufsstrategie würde, um den Umsatz zu steigern. Wenn sämtliche anderen Getreideproduzenten nachfolgen, wird möglicherweise auch die Backindustrie dem Mehl Eisen zusetzen, was zu einer Überversorgung ganzer Bevölkerungsgruppen führen könnte. Mögliche Folgen wären Zellen-, Gewebes- und Organschädigungen.
Zudem muss man berücksichtigen, dass im Schnitt inzwischen jeder Fünfte künstliche Vitamine und Mineralstoffe zu sich nimmt, was eine zusätzliche Potenzierung der zugefügten Inhaltsstoffe bedeuten würde.